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17 Prozent der gesamten Betriebskosten sind Regulierungskosten beklagt der österreichische Versicherungsverband unlängst in seinem Jahresrückblick. In vielen deutschen Städten demonstrieren Bauern mit ihren Traktoren in den Städten gegen immer schärfere Auflagen. Auch die Klinikärzte gehen auf die Straße. Sie alle haben einen Feind, der seinen Dokumentationswahn an den Bürgern auslässt: Die Bürokratie. Wir wissen, dass Regeln dazu dienen individuelle Freiheit, im Sinne des Schutzes der Allgemeinheit einzuschränken. Dieser Schutz der Bürger kommt aber niemals kostenfrei. Die öffentliche Hand überwälzt diese Kosten heute gerne an die Unternehmen. Damit kann sie als Erfolgsausweis eine geringe Staatsquote verbuchen, während sie die regulatorischen Aufwände zum großen Teil auf die Privatwirtschaft überwälzt. Die UNIQA zweitgrößter Versicherer Österreichs gab bekannt, dass aufgrund der hohen Regulierungskosten, die Kostenquote des Unternehmens auf 27,2% gestiegen sei. Volkswirtschaftlich scheint hingegen alles rund zu laufen. Hohe Investitionen und Konsum führen zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts. Aber Investition ist nicht gleich Investition. Es ist ein Unterschied, ob man neue Anlagen dafür benötigt, um die bürokratischen Forderungen des Staates zu erfüllen, oder um sie in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen zu stecken. Beides in gleichem Maß zu tun, ist schlichtweg unmöglich, denn auch Geld ist ein knappes Gut. Auch Konsum oder die Arbeitslosenquote ist kein geeignetes Mittel, um den fortschreitenden Druck des Bürokratismus auf die Wirtschaft aufzudecken. Es braucht sie ja heute mehr als je zuvor, die Sortierer, die Archivaren, Systemadministratoren und Schreibtischtäter. Diese Jobs werden gut dotiert und kurbeln die Wirtschaft an, weil auch solche Leute konsumieren. Ein CEO eines bedeutenden Konzerns erklärt unter vorgehaltener Hand: „Wir befinden uns in der Inkubationszeit, noch ist die Krankheit aber nicht ausgebrochen“. Eine Seuche ist sie also die Bürokratie, mit der sich die Wirtschaft angesteckt hat. Der Ausbruch der Krankheit ist die Wettbewerbsunfähigkeit. Bis dorthin verweist die Politik auf das steigende BIP, niedrige Arbeitslosigkeit und eine niedrige Staatsquote, was oftmals fälschlicher Weise mit geringer Bürokratie gleichgesetzt wird. Diese scheinheiligen Zahlen sind jedoch teuer erkauft. Administration und Regulatorik entwickeln keine neuen Produkte oder Innovation. Daher ist die Bürokratie ein Luxus, den wir uns leisten, solange wir den globalen Wettbewerb im Zaum halten können, denn was wir nicht vergessen sollten: Asien steht bereit für die europäischen Konsumenten. Es schickt nicht nur Viren, sondern auch Waren und Dienstleistungen, die von administrativen Kosten zum größten Teil befreit und gleichzeitig von Innovation durchdrungen sind. Sie sind die brennenden Pfeile der Moderne, vor denen wir uns nur mit den Waffen der freien Unternehmerschaft schützen können. Bereits heute haben wir in Europa die Innovationsführerschaft in vielen Zukunftstechnologien längst verloren. Wir beklagen uns ständig über die Marktsättigung in Europa, und erkennen nicht, dass dies nur ein Symptom für ein Umfeld ist, wo das Geld nicht für Innovation, sondern für Regulierung aufgewendet wird. Daher jammert die Versicherungswirtschaft völlig zu Recht. Denn 17 Prozent Regulierungskosten, könnten bald, frei nach Bruno Kreisky, ein paar tausend mehr Arbeitslose bedeuten.  

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