Sind wir gut oder böse? Rousseau vs. Hobbes

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Sie haben sich zwar niemals getroffen, denn Thomas Hobbes war schon 33 Jahre tot, als Jean-Jacques Rousseau geboren wurde. Aber das hätte ein wahres Slugfest für Philosophen gegeben, wenn sich die beiden im Ring der Worte gegenübergestanden wären.

Hobbes war derjenige, der in seinem berühmtesten Werk Leviathan den Menschen als Wilden beschreibt, der nur von der Zivilisation gezähmt werden kann und der meinte nur unsere Zivilisation und ihre Institutionen schützen uns vor unseren eigenen animalischen Trieben. Ohne diese institutionellen Strukturen würden wir im Krieg jeder gegen Jeden enden, also in der totalen Anarchie. Der Mensch ist für Hobbes jemand, der die Gesellschaft anderer nicht anstrebt, wenn diese ihn nicht zu seinem eigenen Vorteil gereicht. Als Rousseau dem Aufruf der Akademie von Dijon folgte an einem Essay-Wettbewerb teilzunehmen, in dem er die Frage beantworten sollte: „Hat der Fortschritt der Wissenschaften und Künste zum Verderb oder zur Veredelung der Sitten beigetragen“?, war für ihn die Antwort klar. Die Zivilisation war für Rousseau ganz konträr zu Hobbes kein Segen, sondern Gift. „Der Mensch ist von Natur aus gut“, hieß Rousseaus These. Landwirtschaft, Stadt und Staat haben uns nicht vor Chaos und Anarchie bewahrt, sondern im Gegenteil verflucht und geknechtet. Im Naturzustand brachte der Mensch noch Empathie auf, mit Beginn der Zivilisation jedoch wurde er zum zynischen Egoisten. Ist der Mensch nun von Natur aus gut oder böse? Das ist die allesentscheidende Frage, die uns nicht nur interessiert, weil wir gerne wissen, wer wir sind, sondern weil diese Frage wohl die Basis für die Regeln unseres Zusammenlebens bildet. Unser Menschenbild entscheidet, wie wir uns gegenüberstehen, mit Misstrauen oder Vertrauen mit Furcht oder Zuversicht und schlussendlich mit Liebe oder Hass.  

Wer ist der Sieger?

Wenn wir uns die heutige Welt ansehen, dann könnte man den Schluss ziehen, dass Hobbes und sein Menschenbild das Rennen gemacht hat. Die großen Denker der Vergangenheit haben mit ihren Beiträgen sehr unser Menschenbild und damit unser Zusammenleben geprägt. Sigmund Freud sprach davon, dass der Urmensch keine Tötungshemmung gehabt hat. Im Gegenteil, er mordete gerne. Seine Schlussfolgerung: Wir alle stammen von Mördern ab. Die Philosophie des Darwinismus mit dem propagierten Naturgesetz „Survival of the fittest“ wird oft mit dem Naturrecht des Stärkeren gleichgesetzt. In der Politik hat sich ein ähnliches Menschenbild durchgesetzt. Das einflussreichste Werk dafür schrieb Niccolo Machiavelli mit „Der Fürst“. Der daraus entstandene Machiavellismus ist zur bestimmenden Glaubensrichtung geworden, für alle Formen der Herrschaft. Wer die Macht gewinnt hat diese auch verdient, egal wie hinterhältig und moralisch verwerflich sein Weg dorthin war. Die Macht hat nicht moralischen Grundsätzen zu dienen, sondern nur dem Nutzen des Herrschenden. Auch in der Ökonomie ist das gesamte Theoriengebäude der Ökonomie auf der These aufgebaut, dass der Mensch nur auf seinen Vorteil abzielt und nichts anderes im Sinne hat als die Maximierung seines Nutzens (Homo Oeconomicus). Die Folge aus all dem: Falls wir uns nicht durch Gesetze, Verbote und Gebote einschränken würden, um ein halbwegs erträgliches Zusammenleben zu gewährleisten, würden wir raubend und mordend durch die Straßen ziehen, wir würden unsere Freunde hinters Licht führen und unsere Feinde gewissenlos töten und nur die Stärksten würden, dem Naturgesetz folgend Ansprüche auf die Früchte der Schöpfung haben.

Die Gutmenschen

Aber trotz allem vertrauen wir einander. Wir gehen trotz aller Unkenrufe aufeinander zu, wir fragen wildfremde Menschen nach dem Weg, die dann ihre Zeit opfern, um oftmals mühselig und rührselig und manchmal gar in einer anderen Sprache als der ihren und wenn gar nicht anders möglich mit ihren Extremitäten versuchen den Fremden auf den richtigen Pfad zu bringen. Manipulieren wir uns vielleicht nur selbst zum Guten, weil wir von der Gesellschaft dafür belohnt werden? Nein, wir helfen oft ohne ersichtlichen Grund. Wir helfen Menschen oder Tieren in Not, obwohl wir wissen, diese Hilfe wird unsere eigene Freiheit einschränken. Wir helfen und geben dabei unsere wertvollste Ressource, unsere Zeit, ohne etwas zu bekommen. Wie passt das alles zusammen? Sind wir so oder so, oder sind wir so und so. Diese Frage, bleibt bis heute ein Geheimnis. Warum sind wir dann fähig einen Genozid zu verüben? Sind das nur die anderen, eine entartete Version unserer Selbst, oder sind das auch wir. Reinhard Haller, der berühmte österreichische Gerichtspsychiater meint schlichtweg: „Das Böse lauert in jedem von uns“….  

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